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Historische Rückblicke aus dem Stadtarchiv

Vor 100 Jahren ... Auszüge aus dem Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt
(Rechtschreibung im Original)

Vor 100 Jahren ... (Mai 1918) Auszüge aus dem Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt

 68. Jahrgang (1918)  (Rechtschreibung im Original)

1. Mai 1918
Im „Deutschen Hause“ tagte gestern die hiesige Weber-Innung. Zunächst wurden auf Grund ihrer vorzüglichen Prüfungsarbeiten drei Lehrlinge zu Gesellen gesprochen. In dem sich hieran schließenden Quartal unter Leitung des Herrn Obermeisters W. Stegel erstattete der Schriftführer W. Rannefeld den Jahresbericht, der Rücksicht nahm auf alle das Innungsleben berührende Fragen. Es gab u. a. Aufschluß über die Verteilung der Stiftungserträgnisse und berührte dann die unseren Lesern bekannte Verwaltung des „Meisterhauses“, in dem die Innung bisher ihren Sitz hatte; das Anwesen wird demnächst zur Zwangsversteigerung kommen. Zwei Mitgliedern ist es vergönnt, das 50jährige Meisterjubiläum zu feiern; Oskar Beck und Fritz Lasch. Der Obermeister beglückwünschte sie später aufs herzlichste. Die Zahl der Mitglieder betrug am Jahresschlusse 181, 14 sind gestorben. Der Bericht gedachte dann des Daniederliegens der heimlichen Webindustrie und stellte fest, daß etwa 2000 hiesige Arbeiter, die hier beschäftigungslos wurden, auswärts arbeiten. Der Kassenwart Herr Münch teilte bei der Wiedergabe des umfänglichen Rechnungswerkes auf 1917 mit, daß sich das Vermögen der Innung nicht verringert habe. Dann wurden die Herren Münch, Funke und Meinelt erneut zu Ausschußmitgliedern bestimmt und beschlossen, bezüglich der Maßnahmen in Sachen des „Meisterhauses“ alles erforderliche dem Vorstand zu überlassen. Die Innung hat eine erste Hypothek in Höhe von 13.000 Mk. dargeliehen, während eine anderweite Belastung mit 25.000 Mk. angegeben wird. Wie besonders betont wurde, hat die Innung keinerlei Verluste zu beklagen, da ihre Ansprüche sichergestellt sind.

3. Mai 1918
Kaum haben die Landwirte mit dem Legen von Kartoffeln begonnen, beginnen auch schon wieder die Diebstähle von den gelegten Samenkartoffeln. Auf dem am Seidelberg gelegenen Felde des in Heeresdienst befindlichen Landwirts Eckert sind nachts die Kartoffeln gestohlen worden. Die goldene Hochzeit konnte am Sonntag im Kreise vieler Kinder und Enkel das in der Oststraße wohnhafte Karl Vogelsche Ehepaar begehen. Aus diesem Anlass wurde das Jubelpaar kirchlich eingesegnet und durch Ueberreichung einer Ehrenbibel und mannigfacher Geschenke von vielen Seiten erfreut. Herr Vogel ist einer von den wenigen hier noch lebenden Kameraden, die die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mitgemacht haben.

12. Mai 1918
Ein schweres Schicksal lastet auf der Witwe Benter, Zentralstraße. Bereits zwei Söhne hat sie dem Vaterlande zum Opfer gebracht, der dritte befindet sich in der Kampflinie, ihren Gatten im Vorjahre zur letzten Ruhe geleitet und nun traf sie die traurige Nachricht, daß ihr Schwiegersohn, der Landsturmsoldat Richard Vogel, Logenstraße, ein jederzeit schaffensfreudiger Mann, an den Folgen einer im Felde erlittenen schweren Krankheit in einem rumänischen Lazarett gestorben ist. Obwohl durch den Krieg überall genug des Jammers ist, erregt doch das traurige Schicksal der Witwe hier allgemeine Teilnahme.

5. Mai 1918

14. Mai 1918

Die erste heurige Abteilung Kinder verließ in den letzten Tagen das Bethlehemstift, gekräftigt an Körper und Geist, um Platz zu machen für die 2. Abteilung, die in einer Stärke von gegen 200 am 14. Mai Aufnahme für vier Wochen findet. Weitere Aufnahmetage sind der 15. Juni, 20. August und 21. September. Für die großen Ferien ist das Stift schon belegt.

15. Mai 1918
Nicht gerade vom Wetter begünstigt war unser Jahrmarkt, der nunmehr zu Ende gegangen ist, aber man hat die paar Regenschauer gern als Staubdämpfer mit in Kauf genommen. Beschickt war der Markt gut, auch der Umsatz wird den Erwartungen entsprechend gut gewesen sein, denn gekauft wurde viel. Ebenso konnten sich die Schaustellungen und sonstigen auf Belustigung abzielenden Unternehmungen nicht gerade über mangelnde Berücksichtigung beklagen. So dürften beide Teile, die Gebenden wie die Empfangenden, mit dem Markte zufrieden sein.

19. Mai 1918
Der seit dem 23. April vermißte, auf der Karlstraße wohnhaft gewesene Privatmann G. wurde gestern von Frauen auf Langenberger Flur nordöstlich von der Rodelhütte erhängt aufgefunden. Schwermut darüber, daß ihm durch den Verkauf seines Gartengrundstückes die gewohnte Beschäftigung fehlte, mag den Bedauernswerten in den Tod getrieben haben.

22. Mai 1918
Hohenstein-Ernstthaler Schulkinder beiderlei Geschlechts unternahmen heute, am 3. Pfingstfeiertage, eine Ferienwanderung nach Hartenstein-Stein-Prinzenhöhle. So zahlreich begehrten die Kinder, an der Wanderung teilzunehmen, daß eine Anzahl als überzählig zurückgewiesen werden mußte. Das ist der Anlaß, daß am Freitag, den 24. Mai, eine zweite Jugendwanderung mit dem gleichen Ziele unternommen werden soll. Beteiligen können sich Hohenstein-Ernstthaler Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren. Die Meldungen müssen bis Donnerstag vormittag bei Herrn Lehrer Georgi, Moltkestraße 24 I, erfolgen. Preis der Wanderung: 1 Mark.

30. Mai 1918
Einbrecher sind in unserer Stadt wieder am Werke und versuchten in der Nacht zum Dienstag, sich durch Eindrücken von Fensterscheiben Zutritt in die Wüstnersche Teigwarenfabrik zu verschaffen, wurden jedoch gestört und mußten unverrichteter Sache wieder abziehen. Mehr Erfolg hatten sie in der letzten Nacht im Vogelschen Grundstück, aus dem sie durch Einsteigen von der Breite- oder Schulstraße aus mehrere Schober Heu entwendeten und in Säcken fortschafften. Etwaige Wahrnehmungen wolle man der Polizeiwache mitteilen.