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Historische Rückblicke aus dem Stadtarchiv

Vor 100 Jahren ... Auszüge aus dem Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt
(Rechtschreibung im Original)

2. November 1917
Dem Bethlehemstifte im Hüttengrunde hat die im September in Reichenbrand verstorbene Frau verw. Scharf, geb. Schmieder, im Gedächtnis an ihren Gatten, der ein großer Freund des Bethlehemstiftes war, 4000 Mark zu einer Liegehalle vermacht, die den Namen „Hermann und Agnes Scharf Liegehalle“ tragen soll. Damit wird ein großer Wunsch der Verwaltung des Stiftes erfüllt.

5. November 1917
Anläßlich der morgen Dienstag, den 6. November im Schützenhaus stattfindenden Wohltätigkeitsveranstaltungen (bunter Abend) läßt die Betriebsdirektion der Ueberlandbahn einen Zug in der Richtung nach Oelsnitz verkehren, der den Personenbahnhof Hohenstein-Ernstthal pünktlich ¼ Stunde nach Schluß der Veranstaltung verläßt. Dadurch wird es auch den Bewohnern unserer Nachbarorte möglich sein, diese außergewöhnliche Veranstaltung zahlreich zu besuchen; ihr Reinertrag kommt, wie bekannt, dem „Heimatdank“ und dem österreichischen Hilfsverein zugute.

8. November 1917
Es gibt keine Schwerarbeiterzulagen für geistige Arbeiter. Auch der Sächsische Lehrerverein ist, gleich anderen Vereinigungen, mit einem Gesuch wegen Gewährung von Schwerarbeiterzulagen an geistige Arbeiter vom Ministerium des Innern abschlägig beschieden worden.

13. November 1917
Vor Dieben ist dringend und allseits zu warnen. Wir leben in einer Zeit, die die Begriffe „Mein und Dein“ nicht mehr kennt oder nicht mehr kennen will. Täglich wissen die Zeitungen und die Polizeiberichte von den unglaublichsten Diebereien, von Einbrüchen und Eigentumsvergehen zu berichten. Auf sorgsamen Verschluss aller Behälter sei namentlich in den jetzigen finsteren Nächten und in den kommenden Weihnachtswochen aufmerksam gemacht.

17. November 1917
Für 30jährige treue Dienste bei der Firma F. Oskar Zwingenberger, hier, wurde deren ersten Buchhalter, Herrn Emil Wunderlich von der Handelskammer Chemnitz eine Ehrenurkunde verliehen. In der gestern Abend im „Berggasthaus“ abgehaltenen, nicht allzu zahlreich besuchten Mitgliederversammlung des Erzgebirgszweigvereins gedachte der Vorsitzende, Herr Stadtrat Ebersbach, zunächst der kürzlich erfolgten Pflanzung der Hindenburg- und der Luthereiche und widmete sodann dem jüngst auf dem Felde der Ehre gefallenen erzgebirgischen Liedersänger Max Gaudlitz tiefempfundene Worte des Dankes für all die schönen Stunden, die er so vielen aus unserer Stadt durch seinen Gesang bereitet habe.

19. November 1917
Ein in einem hiesigen Gasthause beschäftigtes Dienstmädchen hat ihre letzte Dienstherrschaft in Stollberg kräftig bestohlen und eine größere Menge Bett- und Tischwäsche und dergl. mitgehen heißen. Die Diebin wurde hier ermittelt und ihr die Beute wieder abgenommen, die der Geschädigten zurückgegeben werden konnte.

24. November 1917
Herr Schmiedemeister Max Engelmann, hier, Moltkestraße, Unteroffizier und Fahnenschmied der Landwehr, wurde kürzlich zum Sergeant und Oberfahnenschmied befördert. Herr Engelmann ist im Besitze der Friedrich August Medaille in Silber und des Eisernen Kreuzes 2. Klasse.

26. November 1917
Der schwere Sturm des gestrigen Tages hat an Zäunen und Dächern, an Bäumen und in Gärten verschiedentlichen Schaden angerichtet, der sich zumeist in herabgerissenen Ziegeln und Schiefern, umgeworfenen Einfassungen, abgerissenen Ästen und ähnlichem äußerte. Zu den Wehen des Sturmes gesellte sich zumeist Regen und Schnee, die namentlich in den Mittagsstunden den Aufenthalt im Freien recht ungemütlich machten. Gegen Abend zu besserte sich das Wetter bei steigendem Luftdruck allmählich. Auf der Rückseite des Zyklons hat Schneewetter eingesetzt, das bei erheblichem Wärmerückgang heute Morgen die Fluren im weißen Gewande erscheinen ließ. Die Zweimarkstücke hören am 1. Januar 1918 auf, gesetzliches Zahlungsmittel zu sein. Von den öffentlichen Kassen werden sie jedoch noch bis Ende Juni 1918 in Zahlung genommen. Wer noch im Besitze von Zweimarkstücken ist, erledige sich ihrer also recht bald!

27. November 1917
Aus einem Merkblatte der Reichsstelle für Gemüse und Obst erfährt man die bis jetzt wohl kaum bekannte Tatsache, daß alle inländischen Zwiebeln für den Bedarf des Heeres und der Marine nötig sind, ebenso zunächst die vorhandenen ausländischen Zwiebeln; nur kleinere Mengen der Auslandszwiebeln könnten der Verteilung zugeführt werden.

28. November 1917
Heute Morgen gegen 4 Uhr ertönte in der Neustadt Feueralarm. In dem Kesselhaus der Marmeladenfabrik des Herrn Paul Weichelt waren, zweifellos durch Selbstentzündung, Briketts und Kleidungsstücke in Brand geraten, der, durch den heftigen Wind angefacht, sich dem Dache mitteilte. Durch sofortiges Hinzutun gelang es, das Feuer noch im Keime zu ersticken, sodass die Feuerwehr nicht zum Eingreifen kam. Der angerichtete Schaden ist nur geringfügig.

29. November 1917
Unser Jugendheim, das im Gemeindehaus am Neumarkt untergebracht ist, erfreut sich seit der Wiedereröffnung erfreulicherweise recht regen Besuches der jungen Leute. Besonders scheint dazu beizutragen, daß wöchentlich nur ein Abend dazu verwendet wird und daß jeder Abend anderen Charakter trägt. Auf diese Weise bilden sich feste Besuchergruppen, deren einzelne mehr nach der oder jener Art der geistigen Nahrung neigt. Bürger, die Interesse an der Jugendbewegung haben, sind als Gäste sehr willkommen. Das Heim ist jeden Donnerstag von 8 bis 10 Uhr geöffnet.