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Historische Rückblicke aus dem Stadtarchiv

Vor 100 Jahren ... Auszüge aus dem Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt
(Rechtschreibung im Original)

Vor 100 Jahren ... (Juli 1918) Auszüge aus dem Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt

 68. Jahrgang (1918)  (Rechtschreibung im Original)

3. Juli 1918
Herrn Expedienten Heinrich Emil Hauck wurde aus Anlaß seiner 25jährigen Tätigkeit als Lehrer und gegenwärtig auch als technischer Leiter an der hiesigen Web- und Wirkschule gestern im Beisein des Herrn Stadtrats Müller Gewerbeschuldirektors die städtische Ehrenurkunde durch Herrn Bürgermeister Dr. Patz unter entsprechenden Glückwünschen ausgehändigt. Herr Hauck hat sich nicht nur um die hiesigen Fachschulen, sondern auch um die Allgemeinheit große Verdienste erworben. Die Schule dankt ihm insbesondere eine reichhaltige Lehrmittelsammlung.

4. Juli 1918

Uns wird geschrieben: Zu dem Berichte über die Jubelfeier des Herrn Web- und Wirkschuldirektors Hauck sei noch folgendes hinzugefügt: Herr Hauck ist auch außerhalb unseres Ortes zum Wohle unserer Schule tätig gewesen. Er war ein eifriger Besucher der Versammlungen von Webschulmännern und ist deshalb unter diesen eine Bekannte und geschätzte Persönlichkeit. Das beweisen die Beglückwünschungen, die ihm durch den Vorsteher des Verbandes Sächsischer Textilschulmänner Herrn Direktor Worm, unter gleichzeitiger Ueberreichung einer Erinnerungsgabe ausgesprochen worden waren, ebenso die Glückwünsche, die ihm durch eine Abordnung der Lehrer an der Höheren Webschule zu Glauchau dargebracht wurden. Die Lehrerschaft der hiesigen Gewerbe, Web- und Wirkschule hielt am Montag abend eine kurze Feier in der Schule ab, wobei Herr Gewerbeschuldirektor Jähnig die Verdienste des Jubilars hervorhob und ihm Dank für seine aufopfernde Tätigkeit und Glückwünsche für die Zukunft aussprach. Zum Zeichen der Verehrung wurden ihm von beiden Lehrkörpern Geschenke überreicht.

16. Juli 1918

Durch einen Taschendieb schwer geschädigt wurde heute vormittag auf dem hiesigen Wochenmarkte eine Frau aus der Waisenhausstraße. Aus ihrer Handtasche wurde ihr eine braune Herren-Geldtasche gestohlen, die außer einigem Kleingeld und einer silbernen Denkmünze zwanzig Mark in Papier – drei Fünfmark- und fünf Einmarkscheine – enthielt. In Verdacht der Täterschaft kommt ein 10 bis 12 Jahre alter Schulknabe, mittelgroß und kräftig, der ein bräunliches Jackett trug.

23. Juli 1918
Eine Einbrecherbande ist kurz nach verübter Tat von unserer Polizei dingfest gemacht worden und zwar handelte es sich um die drei Gebrüder Z. aus dem Hüttengrunde, in der Nacht zum Sonnabend bei Herrn Kaufmann Asch in der äußeren Bismarckstraße (heutige Friedrich-Engels-Straße) eine Melkziege, eine junge Ziege und eine Gans gestohlen und die Tiere in einem Felde abgeschlachtet hatten. Ferner ist erwiesen, daß sie auch den Garten des Herrn Stadtrat Ebersbach heimsuchten und dort Zwiebeln und Kohlrabi stahlen. Polizeihunde wurden bei Asch auf die Spur gesetzt, die bis zur Bleicherei Hüttengrund verfolgt ward; hier nahm dann die Polizei die weitere Nachforschung auf, die zur Ermittlung der Täter in dem Augenblick führte, als zwei derselben mit ihrer Beute beladen, heimkehrten und von den Hunden verbellt wurden. Der dritte Einbrecher, der sein Diebesgut nach der in der Oststraße 44 gelegenen Wohnung gebracht hatte, wurde dort festgenommen. Das erbeutete Fleisch konnte Herrn Asch wieder zugestellt werden. Der eine Einbrecher ist Sergeant und mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet, der andere hat das Kreuz 2. Klasse.

28. Juli 1918
Die Beschlagnahme aller Sonnenvorhänge, Stores u. dgl. in den öffentlichen und Staatsgebäuden steht in den nächsten Tagen bevor. Hieraus verspricht man sich etwa 40 Millionen Meter Stoff, welche zur Bekleidung der Zivilbevölkerung dringend gebraucht werden. Als Ersatz für die weggenommenen Vorhänge sollen Ersatzvorhänge aus Papiergarn gegeben werden, was der Papiergarnindustrie eine willkommene Beschäftigung bieten wird.

30. Juli 1918
Ein bedeutsamer Tag war der gestrige Sonntag für die Trinitatisgemeinde. Im Vormittags-Gottesdienst wurde der vom Landeskonsistorium der Gemeinde als Diakonus vorgeschlagene und vom Kirchenvorstand zu St. Trinitatis gewählte Pastor Herr Johannes Polster aus Budweis durch Herrn Oberkirchenrat Neumann-Glauchau feierlich in sein Amt eingewiesen. Mit herzergreifenden Worten wies der Herr Ephorus den Geistlichen auf sein neues verantwortungsreiches und bedeutungsvolles Amt hin, ihn zu treuer Arbeit und ernster Pflichterfüllung ermahnend. Nachdem Herr Pastor Polster vor der zahlreich versammelten Gemeinde – der Kirchenvorstand und Mitglieder der städtischen Kollegien hatten am Altar Platz genommen – das Gelöbnis abgelegt und durch Handschlag bekräftigt hatte, nach bestem Wissen und Gewissen seines Amtes walten zu wollen, überreichte mit herzlichen Wünschen, Herr Bürgermeister Dr. Patz, namens der Kircheninspektion, dem Eingewiesenen die Berufungsurkunde. Geleitet von den Segenssprüchen des Herrn Ephorus und des Herrn Pfarrer Schmidt, übernahm der Eingewiesene den Dienst am Altar und hielt sodann die Predigt über 1. Korinther 2, 2 mit der Auslegung: „Jesus Christus, der Gekreuzigte, er ist unsres Glaubens Grund, unsres Lebens Kraft und unsres Todes Trost“. Mit allen Kräften wolle er – so versicherte der Redner – der Gemeinde dienen, und bat, ihm volles Vertrauen entgegenbringen zu wollen.
Dem Lebenslauf des neuen Geistlichen entnehmen wir: Geboren am 14. September 1883 als 4. Kind eines Eisenbahnobersekretärs in Leipzig, genügte er seiner Schulpflicht daselbst, besuchte dann das Wettingymnasium zu Dresden, studierte in Berlin, Leipzig und Straßburg, legte 1910 seine erste theologische Staatsprüfung ab, wurde am 1. Oktober 1910 Pfarrer in Budweis und bestand 1912 die zweite theologische Prüfung; im März 1913 Aussig ordiniert, vertauschte er seine bisherige anstrengende Tätigkeit in der österreichischen Diaspora mit dem Predigtamt in der Heimat.
Möge sein Wirken in der Trinitatisgemeinde ein gesegnetes sein! Umrahmt wurde die Predigt vom Gesang der Gemeinde und des Kirchenchores und war verbunden mit einer Gedenkfeier für sechs auf dem Felde der Ehre gebliebene oder in der Heimat verstorbene Kriegsteilnehmer. Zu ihrem Ehrengedächtnis sang der Kirchenchor die Mottete: „Selig sind des Himmel Erben“.