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Historische Rückblicke aus dem Stadtarchiv

Vor 100 Jahren ... (Oktober 1920) Auszüge aus dem Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt

70. Jahrgang (1920)  (Rechtschreibung im Original)

2. Oktober 1920

9. Oktober 1920
Die neuen Glocken unserer St. Christophori-Kirche sind nun, wie in einem Artikel der Spitze der heutigen Beilage näher ausgeführt, gestern nachmittag und heute vormittag in mühevoller Arbeit aufgezogen worden, sodaß heute mittag ein Probeläuten stattfinden konnte, das den schönen Klang des neuen Geläutes voll zur Geltung kommen ließ. Die Weihefeier, zu der Herr Kantor Schiefer einen Weihegesang für Chor und Orchester komponiert hat, kann daher endgültig morgen im Vormittagsgottesdienst erfolgen.

11. Oktober 1920
Nach einer Bekanntmachung des Stadtrates im heutigen amtlichen Teil ist es nicht ausgeschlossen, daß nach dem Vorgange in Chemnitz auch hier die Arbeiterschaft unseres städtischen Gaswerkes infolge Lohnstreitigkeiten in den Ausstand tritt. Sollten die Arbeiter diese Maßnahme beschließen, so stände unsere Einwohnerschaft vor der Notwendigkeit, sich – soweit sie nicht mit elektrischer Einrichtung versehen ist – wieder mit Petroleum- und Kerzenlicht zu behelfen und auf das Kochen mit Gas Verzicht zu leisten. Vorläufig ist der Ausstand ja noch nicht zur Tatsache geworden, der Stadtrat glaubt aber, die Bevölkerung schon jetzt von der Möglichkeit unterrichten und Verhaltungsmaßregeln geben zu wollen.

13. Oktober 1920

14. Oktober 1920
Schwere Beamtenbeleidigung ließ sich der 28 Jahre alte Schankwirt B. hier zu Schulden kommen, indem er sich wiederholt öffentlich über die Schutzmannschaft unliebsam aussprach und ihr den Vorwurf machte, sie sei bestechlich und begünstige ihn. So hatte er einmal in einer Schankwirtschaft behauptet, er habe der Polizei schon mehrmals ganze Flaschen Wein zugesteckt und ihr auch öfter Kognak auf die Wache geschafft. Am 11. Mai d. J. war er vom hiesigen Schöffengerichte von der Anklage, einen Ochsen ohne Ankaufsbescheinigung verkauft zu haben, freigesprochen worden. Inbezug auf diese Freisprechung hätte B. einen Privatmanne gegenüber geäußert, was eine Fuhre markenfreie Briketts ausmache, das habe man am Oberamtsrichter gesehen, der esse markenfreies Fleisch von ihm, die Sache werde allemal so gedreht, das es ein Racheakt sei. Der Amtsrichter habe ihn ja freisprechen müssen, denn er esse ja stets von dem schwarzgeschlachteten Fleisch und versteuere auch keine markenfreien Briketts mit. Da die von B. aufgestellten Behauptungen jeder Grundlage entbehren und wider besseres Wider aufgestellt worden waren, wurde er wegen Verleumdung zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilt.

15. Oktober 1920
In der Nacht zum Donnerstag ist in Ritters Gasthaus, Teichplatz ein Einbruch verübt worden. Der Täter hat als alleiniger Gast dort gesessen und, während die Wirtin in der Küche war, das Fenster, an dem er saß, ausgewirbelt, um später dort einsteigen zu können. Es sind ihm Zigarren, Zigaretten und eine Flasche Rum im Gesamtwerte von 375 Mk. in die Hände gefallen. Der Unbekannte wird wie folgt beschrieben: 25-30 Jahre alt, 1,65 bis 1,68 m groß, dunkelbraune Gesichtsfarbe, schwarzes Haar, bartlos, Bekleidet war er mit dunklem Jackettanzug und weißem weichen Filzhut mit grünem Band. Die am Tatort gefundene Fußspur zeigt folgende Maße: 29 cm lang, 10 cm Ballenbreite, 6 cm Absatzbreite, Entfernung vom Absatz bis zur Sohle: 7 cm. Etwaige Mitteilungen über die Person des Täters werden an die Polizei gebeten.