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Historische Rückblicke aus dem Stadtarchiv

Vor 100 Jahren ... Auszüge aus dem Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt
(Rechtschreibung im Original)

September 1917 - 67.Jahrgang

08. September
Das Fest der goldenen Hochzeit begehen am heutigen  im Kreise ihrer Kinder und Enkelkinder Herr Webermeister Gustav Gläßer und Frau Wilhelmine geb. Fechner, hier, Weberstraße 1 wohnhaft. Wir wünschen dem greisen Jubelpaare, das sich noch voller Rüstigkeit erfreut und morgen von Herrn Pfarrer Albrecht in der Kirche eingesegnet wird, daß es den baldigen glücklichen Ausgang des Weltkrieges und noch recht lange Friedensjahre erleben möchte.

Ein Unhold hat in diesen Tagen hierorts sein Unwesen getrieben. Es handelt sich um den wohnungslosen Arbeiter Richard Weigelt aus Marienberg, der festgenommen wurde, nachdem er in den Friedhofsanlagen an der Dresdner Straße unsittliche Handlungen an Kindern vorgenommen hatte. Er wurde dem Amtsgericht zugeführt.

10. September 1917
Daß die Jahrmärkte infolge der langen Kriegsdauer keinerlei Einbuße erleiden, beweist der gegenwärtig in der Neustadt abgehaltene Markt. In allen Teilen über Erwarten reich beschickt, war auch der Besuch entsprechend lebhaft, gegenüber dem in Friedenszeit fast gar nicht zurückstehend.
Lediglich die Schaustellungen und Vergnügungen haben eine Einschränkung erfahren. Die Reichhaltigkeit der in den zahlreichen Verkaufsständen ausgelegten Waren zeigte, wie vieles noch – ohne Bezugsschein zu haben ist. Ob der vielseitigen Kaufgelegenheit auch der Umsatz der Verkäufer
entsprochen hat, entzieht sich zwar unserer Kenntnis, dürfte aber wohl zu Bejahen sein. Gestern war das Wetter dem Jahrmarkt besonders günstig, während es heute den Anschein hat, als solle er verregnen.

Eine Diebesfahrt nach hier unternahmen zwei Burschen aus Zwickau, die auf dem hiesigen Güterbahnhof mittels Nachschlüssel einen Eisenbahnwagen öffneten und aus diesem eine größere Menge Pflaumen stahlen. Während der ältere, ein Lehrling, mit seiner Beute die Flucht ergriff, konnte der andere, ein elfjähriger Junge, ergriffen und der Bahnpolizei übergeben werden. Auch einen hiesigen Jungen ist der Diebstahl von Pflaumen nachgewiesen worden; sie sehen ihrer Bestrafung entgegen.

11. September 1917
Ein Kriegsopferstock ist im Rathause, 1. Obergeschoß, aufgestellt worden. Seiner Bestimmung gemäß, Geld zu sammeln, erscheint er in einfachem Gewande. Nur aus einem Stück Baumstamm besteht er, aber dieser Baum war ein alter Bekannter unserer Bewohnerschaft und ihrer Vorfahren, nämlich die letzte der beiden riesigen Lärchen im Konzertgarten des Mineralbades. Hinter dem Opferstock steht an der Wand die Inschrift:

„Bedenkt, Ihr lebt, weil Andre starben,
Und Ihr genießt, wo Viele darben,
Drum gebt, helft lindern Not und Qualen,
Wir haben ew’ge Schuld zu zahlen.“

Wie unser Kriegsmahl, so dient auch dieser Kriegsopferstock mit seinem Ertrage dem „Heimatdank“. Möge sein Spruch in Vieler Herzen dringen und ihnen zur Betätigung der Dankbarkeit gegenüber unseren Kriegern und Kriegshinterbliebenen Veranlassung werden. Dann wird außer beim Nägelkleide unseres Kriegsmahlschwertes auch der volle Kasten des Opferstockes räumlich Zeugnis ablegen von der Gesinnung Derer, die sich des Schutzes von Leid und Leben durch unsere Feldgrauen in der Heimat erfreuen dürfen.

In das Krumbiegel-Haus am Altmarkt verlegt wurden die Ausgabestelle für Brotmarken, allgemeine Lebensmittelkarten, Fleisch-, Kartoffel- und Seifenkarten sowie für Bezugsscheine für Kleider, Wäsche und Schuhe.

15. September 1917
Bei einem Einbruch in die alte „Hüttenmühle“ fielen dem Täter etwa 5 Pfd. Brot, einige Suppenwürfel, drei Flaschen Schnaps und einige Zigaretten in die Hände. Von den Dieben hat man noch keine Spur.

17. September 1917
Der örtliche Teil der Zufahrtsstraße zum Bahnhofe wird jetzt gepflastert. Wenn wir auch im Zeichen der mangelnden öffentlichen Beleuchtung stehen, so ist doch keineswegs zu billigen, daß die aufgerissene Straße mit Ihren Stein- und Sandhaufen nachts ohne jede Beleuchtung ist, sodaß bei dem Verkehr von und nach dem Bahnhofe nicht nur die Möglichkeit gegeben ist, daß Menschen verunglücken, sondern das auch Geschirre in das Wirrnis, daß eine kleine Straßenwalze noch  vergrößert, hineinfahren und Schaden nehmen. Soviel Petroleum wird wohl noch vorhanden sein, daß eine kleine Achtungslaterne an der Stelle eine kümmerliche Helligkeit verbreitet.

30. September 1917